Für den Erhalt der Elsässerstrasse 128 bis 132

Wohnraum als Investitionsgut


Das Bauprojekt, mit dem wir hier an der Elsässerstrasse konfrontiert sind, ist ein Paradebeispiel für die Wirkkraft eines noch immer dominanten Denkmusters: Der Markt ist eine natürliche und wertneutrale Erscheinung.
Klar. Denken wir an den Markt, wie wir ihn vielleicht noch als Kind vor Augen hatten, als einen Platz an dem Menschen zusammenkommen und Dinge kaufen und verkaufen, ist das eine logische Annahme. Der Markt will nichts. Der Markt ist eine Metapher für eine gängige Praxis des Tauschens (über den Umweg des Tauschwerts Geld). Wenn wir nun aber feststellen, dass Menschen oder Institutionen mit viel Geld, dieses nicht als Tauschwert für den Erwerb von Gütern betrachten, sondern vielmehr damit beschäftigt sind, es zu erhalten oder gar zu potenzieren, liegt es nahe, über dieses spezifische Marktverhalten kritisch zu reflektieren. Weltweit ist dieses Verhalten heute durch Begriff „investment“ repräsentiert. Investment ist der englische Begriff für Investition.

Seit der mächtigen Welle der demokratischen Revolutionen des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigen sich Menschen, die ihr Denken den aufklärerischen Idealen von Freiheit und Gleichheit verschreiben, mit dem sozioökonomischen Einfluss der Handelstreibenden. Der sogenannte dritte Stand gewann zu dieser Zeit endlich die lange ersehnte Position innerhalb der politischen Ordnung. Sein ökonomischer Einfluss war alles andere als neu. Der wirtschaftliche Erfolg der italienischen Kaufleute rüttelte schon zu Zeiten der politischen Renaissance an der Ständeordnung der Gesellschaft. Die Schule tradiert heute die Namen der mystifizierten, florentinischen Handelsfamilien: Medici.

Heute gehört das Denken der Kaufleute zur Alltagsmentalität des Durchschnittsmenschen. Wir kennen die blumigen Übersetzungen in die Sprachen der Kultur und Wissenschaft: American Dream; Homo Ökonomikus. Dabei ist es durchaus fragwürdig, den Menschen anthropologisch als egoistisches, zweckrationales und profitstrebendes Wesen zu beschreiben. Jede Sozialwissenschaftlerin würde sich hüten, solche anthropologischen Konstanten zu formulieren. Viele würden sagen: Es gibt ganz einfach keine Natur des Menschen. Und wenn es tatsächlich der Profit wäre, der uns die Erfüllung brächte, so bleibt zu fragen: Was ist das denn bitte, der Profit?

Etwas polemisch formuliert könnte man sagen: Gewohnheit schafft Gewöhnlichkeit. Es ist schlichtweg normal, dass wir wirtschaftsrational denken. Es ist auch normal, dass mit Geld hantiert wird, als wäre es nichts Bedeutsameres als Spielkarten eines Gesellschaftsspiels (der Spielcharakter dieser Wirtschaftslogik wiederum widerspiegelt sich in Gesellschaftsspielen wie Monopoly).
Für höchst gewöhnungsbedürftig, oder ungewöhnlich halten wir jedoch den Umstand, hinnehmen zu müssen, dass Wohnraum als Investitionsgut behandelt wird. Wohnhäuser als Investitionen zu behandeln, ist eine selbstgefällige und wie es scheint oftmals unreflektierte Praxis. Um von der Ohnmacht der Mieterschaft ganz zu Schweigen, zeigt sich, dass Investitionen wie sie im Bauvorhaben von Areion Management AG, hier an der Elsässerstrasse vorzufinden sind, nicht ansatzweise nach Kompatibilität mit den Interessen der Anwohnerschaft fragen. Die einzige Interaktion zwischen Areion Management AG und den betroffenen Anwohnenden, war die Kommunikation des Vorhabens auf kürzestem, rechtlich toleriertem Wege. Insofern wurde das Projekt vom Bau- und Gastgewerbeinspektorat der Öffentlichkeit unterbreitet, wie das so üblich ist. Die Einsprachen liessen nicht auf sich warten.

Eine Anwohnerin
08.11.2018

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